- Bildquelle: (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten © (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie streben Gewerkschaft und Arbeitgeber doch noch eine Lösung am Verhandlungstisch an. Der Vorstand der IG Metall verzichtete am Freitag zunächst darauf, Tages-Warnstreiks in Gang zu setzen. Stattdessen wurden noch am Abend die am Mittwoch abgebrochenen Verhandlungen im Pilotbezirk Südwest in der fünften Runde wieder aufgenommen. Der IG-Metall-Vorstand setzte den Verhandlungsteams eine Frist bis Samstagmittag, um in Stuttgart zu einem belastbaren Ergebnis zu kommen.

«Klar ist aber auch, wenn morgen kein Ergebnis kommt, wird der Vorstand der IG Metall darüber entscheiden, ob die nächste Eskalationsstufe zu beschließen wäre», sagte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann nach einer Vorstandssitzung in Frankfurt. Dies schließe neben neuartigen bundesweiten Tages-Warnstreiks mit ein, in einzelnen Regionen direkt in die Urabstimmung über Flächenstreiks zu gehen. Der IG-Metall-Vorstand werde während der Verhandlungen in Stuttgart anwesend sein und könne jederzeit entsprechende Beschlüsse fassen.

Pragmatische Lösung als Ziel

«Wir sind, glaube ich, beide zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser ist, miteinander zu sprechen als nicht miteinander zu sprechen», sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. Ziel sei, eine pragmatische und einfache Lösung zu finden, die in den Betrieben auch umsetzbar sei. Am Donnerstag hatte er die Gewerkschaft vor einer Eskalation gewarnt. Er schloss nicht aus, dass die Arbeitgeber gegen mögliche Streiks «massiv juristisch» vorgehen. Seit Jahresbeginn haben rund 950 000 Metaller an stundenweisen Warnstreiks teilgenommen.

Die Differenzen zu Entgelten und Arbeitszeiten seien in den vergangenen Tagen eher größer geworden, meinte Hofmann. Es lohne dennoch der erneute Einigungsversuch in der Stuttgarter Liederhalle.

«Wir werden bis morgen Mittag am Tisch sitzen und versuchen, die Lösung auf die Reihe zu kriegen», sagte der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Gelinge das nicht, seien die Gremien der Gewerkschaft am Zug. «Womit dann nicht mehr zu rechnen ist: dass es weitere Verhandlungen gibt.»

Arbeitsvolumen auf dem Prüfstand

Im Zentrum des Konflikts steht die Gewerkschaftsforderung, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit für die Dauer von bis zu zwei Jahren auf 28 Wochenstunden reduzieren können. Einige Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollen dabei noch einen Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang strikt ablehnen und für rechtswidrig halten. Sie fordern zudem, das jetzige Arbeitsvolumen mindestens zu erhalten.

Über die Entgelte für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten wurde noch gar nicht verhandelt. Die IG Metall verlangt eine Erhöhung um sechs Prozent. Die Arbeitgeber bieten bislang zwei Prozent. IG-Metall-Chef Hofmann verlangte in allen drei Komponenten zufriedenstellende Ergebnisse.

Ostdeutsche arbeiten länger

In den östlichen Tarifgebieten gilt es, noch ein weiteres schwieriges Thema abzuräumen. Denn für die Beschäftigten in den neuen Ländern gilt immer noch eine drei Stunden längere Regelarbeitszeit als im Westen.

Seit dem gescheiterten Streik aus dem Jahr 2003 hat die IG Metall an diesem Zustand nichts ändern können und will nun den Arbeitgebern eine Verhandlungsverpflichtung für die kommenden Jahre abringen. Unterstützung kam am Freitag von den Konzernbetriebsräten großer Unternehmen wie Siemens, Porsche, Volkswagen, BMW, Daimler und Opel, die jeweils ostdeutsche Werke besitzen.

Den Tagesstreiks muss keine förmliche Urabstimmung vorausgehen, allerdings will die IG Metall im konkreten Fall ihre Mitglieder in den betroffenen Betrieben vorab befragen. Die Unternehmen wählt der Vorstand auf Vorschlag der Bezirke aus, die Listen mit Dutzenden Betrieben vorbereitet haben. Die Gewerkschaft hat bereits ein Eskalations-Szenario für die Tagesstreiks in der Schublade. Im Unterschied zu den herkömmlichen Warnstreiks sollen die Teilnehmer auch Streikgeld erhalten.