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Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben sich durch Wahlkampf-Hilfe für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kurz vor der WM-Nominierung mächtig Ärger eingehandelt. Am Tag vor der Bekanntgabe des Aufgebots durch Bundestrainer Joachim Löw für die WM in Russland sorgten Fotos der deutschen Fußball-Nationalspieler mit dem umstrittenen Politiker in einem Hotel in London am Montag für großen Wirbel. DFB-Chef Reinhard Grindel reagierte mit harscher Kritik, Teammanager Oliver Bierhoff äußerte Unverständnis und kündigte eine Aussprache mit dem Duo an - wohl spätestens im WM-Trainingslager in der kommenden Woche in Südtirol.

Klare Worte fand Grindel schon am Montag: «Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden», twitterte er. Die in Deutschland aufgewachsenen, türkisch-stämmigen Profis hätten sich für ein Wahlkampfmanöver «missbrauchen lassen», schrieb Grindel.

Özil und Gündogan ließen sich nicht nur gemeinsam mit dem Politiker ablichten, sondern überreichten ihm zudem Trikots ihrer Clubs FC Arsenal und Manchester City. Die Fotos wurden von Erdogans Partei auf Twitter veröffentlicht. Özil sendete zudem einen Tweet, der ihn offenbar bei dem Treffen mit Gündogan und dem ebenfalls türkisch-stämmigen Cenk Tosun vom FC Everton zeigt und schrieb auf englisch «in guter Gesellschaft heute Abend», versehen mit einem zwinkernden Gesicht sowie der deutschen und türkischen Fahne.

Auf dem Trikot, das Gündogan an Erdogan überreicht, steht handschriftlich über der Signatur auf türkisch: «Für meinen verehrten Präsidenten - hochachtungsvoll». Am Montag gab es vorerst keine Reaktion auf den Wirbel von den Spielern oder durch ihr Management.

Beide müssen zum Rapport

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kündigte eine Aussprache mit den Spielern an, die fixe Kandidaten der DFB-Elf für die WM in Russland sind. «Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern», sagte Bierhoff, betonte jedoch auch: «Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.»

Auch sportpolitisch ist der Auftritt pikant, da die Türkei einziger DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM 2024 ist, die am 27. September von der UEFA vergeben wird. Als prominentem Gesicht wirbt der DFB besonders mit dem einstigen Teamkollegen von Özil und Gündogan, Philipp Lahm.

Erdogan, der für die am 24. Juni anstehenden türkischen Präsidentschaftswahlen keinen Wahlkampf in Deutschland machen darf, hielt sich zu diesem Zweck in London auf. Der Politiker zeigt sich gerne öffentlich an der Seite prominenter Fußballer. Kürzlich war er Trauzeuge von Arda Turan, der einst beim FC Barcelona spielte. Özil und Gündogan sind in Deutschland als Nachfahren türkischer Einwanderer aufgewachsen.

Besonders Özil hatte bislang politische Statements stets bewusst vermieden. Für Aufregung hatte 2010 ein Foto gesorgt, dass ihn mit nacktem Oberkörper an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Umkleidekabine nach dem Länderspiel gegen die Türkei in Berlin zeigte. Auch seine Pilgerreise nach Mekka vor der WM 2014 hatte für Schlagzeilen gesorgt. Gündogan gilt in Fußballerkreisen als Persönlichkeit, die sich profund auch zu gesellschaftlichen Themen äußern kann.

Kritische Stimmen aus der Politik

Während in sozialen Netzwerken heftig über das Thema debattiert wurde, kamen aus der Politik am Montag rasch kritische Stimmen. «Die migrationspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Linda Teuteberg, bezeichnete das Treffen als «Foulspiel und Eigentor gegenüber allen, die für mehr demokratisches Fairplay in der Türkei kämpfen.» Die stellvertretende Vorsitzende der AfD im Bundestag, Beatrix von Storch, legte Gündogan nahe, «für seinen Präsidenten kicken zu gehen».

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, zeigte sich «sehr» irritiert. «Spieler unserer Nationalmannschaft sollten sich genau überlegen, ob sie sich wirklich von einem Autokraten so im Wahlkampf instrumentalisieren lassen wollen», schrieb er.