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Ilkay Gündogan ist über die weiterhin heftigen Reaktionen auf sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan überrascht. Der deutsche Fußball-Nationalspieler will sich aber nun ganz auf seine sportlichen WM-Aufgaben konzentrieren. "Die Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen. Weil ich schon der Meinung bin, dass einige Vorwürfe, die jetzt gegen Mesut (Özil) und mich aufgekommen sind, nicht zu 100 Prozent stimmen", sagte Gündogan am Dienstag im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Das war eine Erfahrung, die im Nachhinein betrachtet nicht leicht war", sagte der deutsche Profi mit türkischen Wurzeln auf die Frage, ob das gemeinsame Foto mit Erdogan ein Fehler gewesen sei. Er habe zusammen mit seinem Auswahlkollegen Özil den türkischen Präsidenten bei einer Veranstaltung getroffen, bei der Stipendien aus der Türkei verteilt worden seien. "Alle türkisch-stämmigen Fußballer aus der Premier League waren dort eingeladen. In dem Rahmen hat das Treffen stattgefunden und sind die Fotos entstanden", berichtete Gündogan.

Es war "nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen"

"Ich bin immer offen für Kritik. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deshalb haben wir die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich auch", sagte der 27-Jährige im Trainingslager in Südtirol und schilderte seine Sicht. "Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Deshalb war es auch nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen."

Özil und er hätten "sehr viel dazu beigetragen, dass wir die Integration in Deutschland fördern". Er verstehe und akzeptiere, wenn Leute eine andere Meinung hätten. "Aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht", sagte er deutlich. "Wir sind in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen, einer Stadt mit hohem Migrationsanteil. Jetzt so dargestellt zu werden, als seien wir nicht integriert oder würden nicht nach deutschen Werten leben, war für mich ein tiefer Schlag."

Die Pfiffe der eigenen Fans treffen Gündogan

Auch im Kreis der Mannschaft ist das Thema besprochen worden. "Ich habe meine Meinung darüber, aber sie sind jetzt trotzdem nicht schlechtere oder bessere Menschen", sagte Weltmeister Sami Khedira beim offiziellen DFB-Medientag, an dem als einzige Akteure Özil und Gündogan nicht teilnahmen. "Ich beurteile sie danach, wie ich sie auf dem Platz und persönlich erlebe. Da haben sie sich nicht verändert", erklärte der 31 Jahre alte Khedira. "Sie wissen schon, was sie gemacht haben und wie sie jetzt damit umzugehen haben."

Beim Testspiel in Klagenfurt gegen Österreich (1:2) hatte es aus dem deutschen Fanblock Pfiffe gegen Özil und Gündogan gegeben. "Es macht natürlich etwas mit einem. Man ist ja Pfiffe von gegnerischen Fans gewohnt. Aber wenn die eigenen Fans pfeifen, ist es schwierig, damit umzugehen", sagte Gündogan. "Warten wir mal ab, wie es in Leverkusen ist", sagte er mit Blick auf das letzte WM-Testspiel am Freitag gegen Saudi-Arabien. Gündogan sieht sich zurecht im WM-Kader: "Ich weiß, dass ich aufgrund meiner Leistung hier bin, die ich gerade in der letzten Saison gezeigt habe im Verein. Dementsprechend möchte ich bei der WM mit Leistungen zum Erfolg unserer Mannschaft beitragen."

Welche Rolle er in Russland spielen könne, sei momentan schwierig einzuschätzen. "Wir haben viele gute Spieler auf meiner Position. Gerade im zentralen Mittelfeld können wir die unterschiedlichsten Varianten spielen. Ich versuche einfach, im Training und im Spiel, wenn ich eingesetzt werde, mein Bestes zu geben."