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Auch sein Körper hat Alexander Zverev am Ende in Wimbledon ausgebremst. Beeinträchtigt von seinen Magen-Darm-Problemen in den vergangenen Tagen habe er keine Kraft mehr gehabt. "Es war, als hätte mir jemand Mitte des vierten Satzes den Stecker gezogen", sagte der 21-Jährige mit belegter Stimme nach seinem überraschenden Drittrunden-Aus in Wimbledon. Anders als Angelique Kerber verpasste der große deutsche Hoffnungsträger und Mitfavorit am Samstag das Achtelfinale des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt.

Mit dem Aus in fünf Sätzen und dem 6:7 (2:7), 6:4, 7:5, 3:6, 0:6 gegen den Letten Ernests Gulbis endete sein Auftritt auf einer der größten Tennis-Bühnen der Welt einmal mehr mit einer Enttäuschung. "Was soll ich machen? Ich kann es nicht ändern", sagte der Hamburger. "Das passiert, das ist Sport, du kannst im Sport nichts planen."

Damit spielt am Montag nur ein deutsches Damen-Duo um das Erreichen des Viertelfinals. Die ehemalige Weltranglisten-Erste Kerber löste ihre Drittrunden-Aufgabe in einer Wimbledon-Auflage voller Überraschungen überzeugend und folgte mit dem 6:2, 6:4 gegen Naomi Osaka aus Japan Julia Görges in die Runde der besten 16.

Frust bei Zverev

Für Zverev, dem vielversprechendsten deutschen Tennisspieler seit Boris Becker und Michael Stich, setzen sich die frustrierenden Momente bei den den vier Grand-Slam-Turnieren fort. Nur zweimal schaffte es der Weltranglisten-Dritte in die zweite Woche. Nach seinem Magen-Darm-Leiden hatte der Hamburger sein Zweitrundenmatch in zwei Teilen gegen den US-Profi Taylor Fritz noch überstanden, dem unangenehmen Qualifikanten Gulbis hatte der Weltranglisten-Dritte nicht mehr genug entgegenzusetzen. "Nachdem ich den dritten Satz gewonnen hatte, habe ich wirklich gedacht, ich gewinne", sagte Zverev. "Im ganzen Match habe ich Chancen gehabt."

Im dritten Satz lag der Hamburger mit 3:5 hinten, kassierte vom Linienrichter eine Verwarnung für Fluchen und zog den Unmut der Zuschauer auf sich. Auch beim Seitenwechsel diskutierte und beschwerte sich Zverev noch beim Schiedsrichter. Für ihn habe es so ausgesehen, als wolle der Linienrichter die Aufmerksamkeit auf sich lenken, sagte Zverev. Nachdem er vier Spiele nacheinander gewonnen hatte, schien sich die Partie seinen Gunsten zu entwickeln. Im Gegenteil: Sie wurde zu einer klaren Sache für die Nummer 138 der Welt. Schon in Paris bei den French Open hatte Zverev sein Körper im Stich gelassen, als er sich nach drei kräftezehrenden Fünf-Satz-Matches im Viertelfinale am Oberschenkel verletzte.

Damen-Duo ganz stark

In einer Wimbledon-Auflage voller Überraschungen bei den Damen stand Kerber nach nur 63 Minuten als zweite deutsche Dame in der Runde der besten 16 fest. "Ich bin sehr glücklich, wie ich gespielt habe", sagte die 30-Jährige. Für mich war es wichtig, besser zu spielen als die Runden zuvor und mein Level zu steigern. Das habe ich geschafft."

In ihrer diesjährigen Premiere auf dem Centre Court trat die Norddeutsche konzentriert und beinahe fehlerfrei auf. Die Linkshänderin kontrollierte an das Geschehen, ließ im gesamten Match keine einzige Breakchance zu und erlaubte sich nur fünf unerzwungene Fehler - bemerkenswerte Quoten. "Ich habe sehr gut aufgeschlagen, das war der Schlüssel", sagte die die ehemalige Nummer eins der Welt.

Nach frühen Pleiten für neun der ersten zehn gesetzten Spielerinnen wartet auf Kerber Belinda Bencic, gegen die Linkshänderin bislang alle drei Duelle auf der WTA-Tour verloren hat. Die 21-jährige Schweizerin scheint nach Verletzungen auf den Rasenplätzen in London auf dem Weg zurück zu alter Form, die sie einst bis auf Weltranglistenplatz sieben geführt hatte. Lösbar ist die Aufgabe für Kerber dennoch - ebenso wie für die Bad Oldesloerin Görges das Duell mit der Kroatin Donna Vekic.

Mit all den unerwarteten Ergebnissen scheint in diesem Jahr in Wimbledon bei den Damen vieles möglich. Kerber ist auf einmal die nach der Rangliste zweitbeste im Feld verbliebene Spielerin. "Natürlich kriegt man das mit", sagte die Norddeutsche. "Aber ich gehe meinen Weg, ich versuche nicht so links oder rechts zu schauen."